Behandlung einer 8 jährigen Patientin mit rezidivierender Nausea, Emesis
und Bauchschmerzen unter Verwendung von Ninjin-to/ Ren-shen-tang
in
homöopathischer Galenik
Bacowsky H.
Einleitung:
Obwohl in der Kampomedizin in der Regel weitaus geringere Dosierungen
verwendet werden, als z.B. in der TCM, kommt es in der täglichen Praxis
immer wieder vor, dass Abkochungen der Kamporezepturen von Patienten
nicht eingenommen werden, sei es auf Grund des Geruches oder aber vor
allem auf Grund des Geschmackes. Diese Aversion kann so weit gehen, dass
es beim Versuch der Einnahme zu Übelkeit oder sogar zum Erbrechen kommt.
Oft macht dieser Nebeneffekt vor allem bei Kindern eine Behandlung mit
Kampo oder TCM Rezepturen unmöglich. Es soll hier ein Fall vorgestellt
werden, bei dem dieses Problem durch Homöopathisierung des Dekokts einer
Kamporezeptur – somit ein komplexes homöopathisches
Mittel erfolgreich gelöst wurde.
Anamnese:
Erstvorstellung im Zentrum Nosomi 12/2001
1993 geb. Patientin
FA: Partnerprobleme der Mutter .
FK:
rezidivierende Infekte der Harnblase.
KK: keine, Impfstatus komplett.
Zappeliges, blasses, zartes Kind, Konzentrationsschwäche, rezidivierende
Infekte vor allem der Harnblase und der oberen Luftwege, die bis jetzt
immer mit Antibiotika vom Kinderfacharzt behandelt wurden. Sitzt 3-4
Stunden pro Tag vor dem TV-Apparat, zeigt Schreianfälle und Aggressivität
bei Übermüdung, geht immer bis an die Grenzen Ihrer Belastbarkeit und auch
darüber. Die Symptome werden durch häuslichen oder schulischen Stress
ausgelöst.
Erstuntersuchung:
Status:
20 kg, 125 cm,
Interner Status : unauffällig.
Appetit: vermindert
Schlaf: oberflächlich, Durchschlafstörung
Hautkolorit: blass, „dunkle Schatten“ unter den Augen
Pat. schwitzt selten, kalte Hände und Füße, leichte Ermüdbarkeit.
Stuhl weiche Konsistenz wechselt mit Obstipation, Entleerung derzeit sehr
weich, Frequenz: 2-3 mal pro Tag .
Harn: o.B.
Haut: o.B.
Ernährung: gemischte Kost, mit reichlich Anteil von rohem Obst.
Flüssigkeit: trinkt nur Apfelsaft
Status auf Grund traditioneller Untersuchungsmethoden:
Zunge: Grundfarbe blassrosa, Zungenkörper schlank.
Puls: P. superficialis, mit KI-Mangelzustand im Leber-Meridian.
Abdomen: Bauchdeckenspannung 2/5, druckschmerzhafte Resistenz R.
subcostalis dext. und R. epigastrica. rezidivierender Bauchschmerz, Nausea
und morgendliches Erbrechen.
Diagnose:
Yang-Erkankung im 2.Stadium, Yang-Schwäche, druckschmerzhafte Resistenz in
R. subcostalis dext., u. R. epigastrica, ggr. erhöhter Tonus des M. rectus
abdominis.
KI
im Zustand zwischen Fülle und Mangel.
Additive Untersuchungen: Sonographie des gesamten Abdomens, einschließlich
Nieren und ableitender Harnwege sowie Appendix ergeben einen unauffälligen
Befund. Laborparameter von Leber, Niere, Blutbild befinden sich im
Normbereich, Infektionsserologie (enteropathogene Viren u. Bakterien,
Clamydien, Candida): negativ.
Untersuchung auf endomysiale AK, Antigliadin IgG u. IgA: negativ.
Therapie:
Ninjin-to/ Ren-shen-tang 5.0g
Zusammensetzung:
|
1)
Ginseng Rad. |
1,25g |
|
2) Atractylodis Lanc.
Rhizoma |
1,25g |
|
3) Zingiberis sicc.
Rhiz |
1,25g |
|
4) Glycyrrhizae
Rad |
1,25g |
Zubereitung:
Herstellung des Dekokts mit 500 ml Wasser, 50 min. auf kleiner Flamme
abkochen, abseihen, die flüssige Phase dritteln und 3x tägl. warm
einnehmen lassen.
Da
jedoch der Dekokt auf Grund des Geruches und des Geschmackes von der
Patientin nicht getrunken wird, wird aus der Abkochung (500ml Wasser, 40
min.) von 5,0g Ninjin-to/ Ren-shen-tang eine homöopathische Dilution,
entsprechend Hahnemann´scher Vorschrift, in Form von einer flüssig C1 und
C 100 hergestellt. Die Verabreichung erfolgt im täglichen Wechsel mit
jeweils 10 Tropfen auf die Zunge.
Ergebnis:
Nach 8 Wochen Behandlung ist die Patientin beschwerdefrei. Das Problem der
Hyperagitiertheit und der Konzentrationsschwäche hat sich nur ein wenig
gebessert, der TV-Konsum wird daher weiterhin auf 60 Minuten pro Tag
beschränkt und zusätzlich wird mit der Verabreichung von Argentum met. C
200 Globuli/10 Globuli jeden Montag, 30 Minuten vor dem Frühstück,
begonnen und für 6 Monate beibehalten. Nach deutlicher Besserung der
psychisch-neurologischen Problematik wird auf Wunsch der Mutter die
Behandlung ausgesetzt.
8/2003
wird die Patientin mit ihrer Mutter im Zentrum Nosomi wieder vorstellig
wegen eines Rückfalles, der sich bereits im Mai 2003 nach der
Schullandwoche ereignet hat. Damals kam es zu Erbrechen und Durchfall, der
vom Kinderarzt zunächst mit Antibiotika und anschließender Symbioselenkung
behandelt wurde, aber laut Mutter, trat keine wesentliche Besserung ein.
Der Zustand gliche dem vom Dezember 2001. Entsprechend durchgeführte
Laboruntersuchungen zeigten keine pathologischen Befunde. Einleitung einer
Therapie mit Ninjin-to/ Ren-shen-tang in homöopathischer Dilution, in Form
von einer C1 und C 100 hergestellten flüssigen Zubereitung. Die
Verabreichung erfolgte im täglichen Wechsel mit jeweils 10 Tropfen auf die
Zunge nach vorheriger Verschüttelung durch die Patientin. Nach 6 Wochen
deutliche Besserung, nach 10 Wochen Therapie ist die Patientin
beschwerdefrei.
Literatur:
1)
Terasawa
K., Kampo, Praxis der traditionellen fernöstlichen Phytotherapie anhand
von klinischen Fallbeispielen, K.F.Haug-Verlag 1994 ISBN3-7760-1359-1
2)
Artur
Braun, Methodik der Homöotherapie, Johannes Sonntag Verlag, Regensburg,
1982, ISBN3-87758-023-8
Dr.med.univ.Dr.med.vet.Bacowsky Helmut
Zentrum-Nosomi, Praxis
für Allgemeinmedizin, Onkologie und Naturheilverfahren,
A-1200 Wien, Sachsenplatz
9/30,
nosomi@nosomi.at,
www.nosomi.at
Kurzberichte aus Klinik und Praxis
Erhöhte Blutfettwerte,Odaka K, Wakanyaku, Nr.580, 10-12, 9/2001, ISSN
0913-1183
Über einen Zeitraum von 6 Monaten wurden eventuell vorhandene
lipidsenkende Eigenschaften verschiedener Kamporezepturen getestet. Es
fanden sich jedoch nur minimal veränderte Werte von Cholesterin,
Triglyzeriden, HDL, LDL.
Anmerkung:
Im
Lichte der Erkenntnisse von Uffe Ravnskov und Udo Pollmer (Mythos
Cholesterin, die zehn größten Irrtümer, Hirzel Verlag, Leipzig, 2002,
ISBN 3-7776-1181-6) wundert es nicht, dass bei nicht an einem
entsprechenden Enzymdefekt Leidenden keine signifikanten Veränderungen der
Serumlipidparameter zu beobachten war.
Diabetische Neuropathie und die Wirkung von Kami-hassen-to, Kurose K.,
J.of Kampo Medicine, Nr.8, Bd.50, 1113-1116, 2003, ISSN 0451-307X
Der Autor berichtet von einer 67 jährigen Patientin, die 1998 erstmals zu
ihm zur Behandlung kommt, an einem Diabetes mellitus II leidet, trotzt
oraler antidiabetischer Therapie einen HbA1C-Wert von 10.0, hat
und die von Klinikern vorgeschlagene Insulinbehandlung ablehnt. Diverse
zusätzliche Symptome wie wiederholt auftretenden Kopfschmerz, Sodbrennen,
Übelkeit beim Autofahren, können erfolgreich mit verschiedenen
Kamporezepturen zum Verschwinden gebracht werden. Danach kommt die
Patientin erst wieder im Jahr April 2003 wegen Sehens von Doppelbildern
mit dem rechten Auge sowie zunehmender Paräse des rechten Augenmuskels.
Außenrotation des rechten Augapfels ist bei der augenärztlichen
Untersuchung nicht möglich. Die Diagnostik nach traditionellen Kriterien
erbringt: Zunge feuchter weißer Belag, rosarote Grundfarbe, P. profundus,
erhöhter Tonus des M. rectus abd., schwarz werden vor den Augen, Nausea.
Nach 2 Tagen Applikation von Toki-shakuyaku-san verschwinden diese
Symptome. Doppelsehen und Bulbuslähmung bleiben. MRT, Sonographie der A.
Carotis erbringen keine Befunde. Da Behandlung mit anderen
Kamporezepturen keine Besserung bringt, wird schließlich die Behandlung
durch Applikation von Kami-hassen-to fortgeführt, die
nach 2 Wochen eine deutliche Besserung der Bulbuslähmung, sowie
des Doppelbildersehens mit dem rechten Auge bringt. Im Mai 2003
verschwinden diese Symptome. Der Wert für HbA1C beträgt 7.8,
die Behandlung wird fortgesetzt.
Anmerkung:
Auffällig bei diesem
Fallbericht ist, dass bei der neuerlichen Vorstellung nach fast 5 Jahren
keine Angaben zu den Nüchtern-Blutzucker-Werten bzw. zum Langezeitwert HbA1C
und entsprechend durchgeführter oder nicht durchgeführter Behandlung mit
oralen antidiabetischen Mitteln oder Insulin gemacht werden. Wurde auf
diese Untersuchung vergessen oder verzichtet? Aus welchen Gründen? Obwohl
ja seit 1998 bekannt war, dass besagte Patientin schon Diabetikerin ist
und solche Symptome als Folge eines schlecht oder nicht eingestellten Diab.
mell. auftreten können. Statt dessen werden aufwendige bildgebende
Diagnostiken betrieben, den nächsten HbA1C Wert erfährt der
Leser erst, nachdem die Rezeptur
Kami-hassen-to bereits mehrere Wochen verabreicht wurde und sich die
Symptomatik deutlich verbessert hat. War nun die Ursache dieser Besserung
die Verabreichung der Kamporezeptur, indem sie die erhöhten BZ-Werte
senkte oder wurde eine Verbesserung der Diabeteseinstellung durch
Umstellung einer bereits laufenden oralen und / oder Insulin - Therapie
erreicht? Oder wirkten Kampo + orale Antidiabetiker und / oder die
Verabreichung von Insulin?
Depression und die Anwendung von Kanbaku-daiso-to, Takagi Y., J.of Kampo
Medicine, Nr.8, Bd.50, 1120-1122, 2003, ISSN 0451-307X
Ausführlich berichtet wird über eine 25 jährige Patientin, die an
Panikattacken, Schlaflosigkeit und depressiver Verstimmung mit
morgendlicher Antriebslosigkeit sowie orthostatischer Dysregulation des
Blutdruckes mit Vertigo leidet. Die Diagnostik nach traditionellen
Kriterien erbringt: Zunge geringer weißer Belag, P. profundus et intentus,
druckschmerzhafte Resistenz der R. paraumbilicalis links. Nach 14 Tagen
Verabreichung von 6,0g Granulat der Rezeptur Kanbaku-daiso-to
morgens und abends sowie 3,0g von Shinbu-to ebenfalls in Granulatform,
kommt es zu einer Besserung der Symptomatik, nach 2 Monaten deutliche
Steigerung der Befindlichkeit in positivem Sinne, nach 1 Jahr ist die
Patientin beschwerdefrei. 14 weitere Fälle von Depression und
Panickattacken und ihre Behandlung mit unterschiedlichen Kamporezepturen
sowie in 3 Fällen in Kombination mit Antidepressiva werden tabellarisch
vorgestellt und sind in der Regel nach 6 Monaten Therapie beschwerdefrei.
Aus der Forschung
Amelioration of kidney
damage in spontaneously diabetic WBN/Kob rats after treatment with
Keishi-bukuryo-gan, T.Nakagawa, T.Yokozawa, S.Owada, H.Goto, N.Shibahara,
Y.Shimada, K.Terasawa, J.Trad.Med., 20, 156-164, 2003
In diese tierexperimentellen Studie konnte die positive
Wirkung der Rezeptur Keishi-bukuryo-gan/Gui-zhi-fu-ling-wan (aus 5
Einzeldrogen zusammengesetzt) auf eine bestehende diabetische Nephropathie
gezeigt werden, eine Wirkung, die in klinischen Studien (H.Hikiami et
al., Jpn.J.Oriental Med., 50,841-850,2000 sowie H.Goto et al., J.Trad.Med.,17,198-204,2000)
und zahlreichen Fallbeispielen aus der Praxis belegt ist. Durch
Verabreichung des flüssigen Extraktes von Keishi-bukuryo-gan (100g
Gesamteinwaage aa 20g pro Droge, 500ml Wasser, 50 min. Abkochung) konnte die
bestehende Proteinurie deutlich vermindert sowie erhöhte
Serumkreatininspiegel gesenkt werden. Zusätzlich kam es zu einer Abnahme an
thiobarbitursäure reaktiven Substanzen und glykolisierten Endprodukten. Die
Autoren diskutieren auch einen zusätzlichen protektiven Effekt -
Abpufferung oxidativer Radikale in diabetisch geschädigtem Nierengewebe -
durch eine signifikante Erhöhung der SOD (Superoxid-dismutase) Aktivität in
der Verumgruppe.
Investigation on
traditional medicine in Myanmar and Vietnam, Q.L.Tran, Q.K.Tran, K.Kouda,
N.Nguyen, Y.Maruyama, H.Watanabe, Sh.Kadota, J.Trad.Med., 20, 173-186, 2003
Die Autoren unternahmen eine Studienreise in die beiden
südostasiatischen Länder, um den Stand des traditionellen Medizinsystems zu
evaluieren. Zu diesem Zwecke wurden Interviews mit Anwendern des
traditionellen Medizinsystems in der Provinz Shan des Staates Myanmar
(vormals Burma) sowie in drei Provinzen von Vietnam durchgeführt. Dabei
zeigte sich, dass trotz weiter Verbreitung moderner westlicher
Medizinpraktiken die Bevölkerung – nicht nur aus Kostengründen - sehr häufig
auf den Erfahrungsschatz traditioneller Pflanzenheilkunde zurückgreift und
ein großes Wissen und Potential in diesem Bereich bei den Heilern besteht.
Um dieses Wissen in Zukunft auf eine rationale Basis zu stellen, kommen die
Autoren zu dem Schluß, dass es wünschenswert und notwendig wäre,
entsprechende Standards durch forcierte Forschung und klinische Studien zu
evaluieren.
Anmerkung: Untersuchung der Pflanzendrogen auf Schwermetall-
, Pestizid- , Herbizidrückstände sowie Belastung durch etwaige
Mykotoxinkontamination oder radioaktive Isotope ist noch kein Thema.
Novel
approaches to oxidative stress-induced renal failure: Therapeutic potentials
of Sanguisorbae Radix, Wen-Pi-Tang and green tea, T.Yokozawa, E.Cho, D.Rhyu,
T.Nakagawa, J.Trad.Med., 20, 83-101, 2003
Untersucht wurde ein möglicher antioxidativer Effekt von
Sanguisorbae Radix, der Rezeptur Wen-Pi-Tang, und einem Gemisch aus
Grünteepolyphenolen an Glomerula-Zellkulturen, Ratten und Dialysepatienten.
Ratten, die von den Experimentatoren einer Niere beraubt
wurden, zeigen im allgemeinen Hypertrophie der belassenen 2. Niere und
vermehrten Sauerstoffverbrauch und erhöhte ATP –Synthese, sowie verminderte
Aktivität der SOD, Catalase und GSH-Px. Daraus wird auf eine vermehrte
Anwesenheit freier Radikale geschlossen. Durch Gaben von Polyphenole
(10/20mg) des grünen Tees demonstrieren die Autoren, komme es zu einer
Steigerung der Enzymaktivität von SOD, Catalase und GSH-Px,
die somit zu einer Minderung freier Radikale beitragen und dadurch Glomerula
und Tubuluszellen vor der Zerstörung retten. Die von Dialyse-Patienten
erhobenen Daten betreffen Creatinin, Methylguanin im Serum und
Beta2-Mikroglobulin und zeigten nach 6 Monaten Behandlung eine Besserung der
Ausgangswerte vor allem für Beta2-Mikroglobulin (39,00 zu Beginn gegenüber
35,38 mg/dl nach 6 Monaten).
Anmerkung:
Ob diese in vitro und an für spezielle
Tierversuchsanordnungen gezüchteten Ratten beobachteten Ergebnisse und
daraus gefolgerten Erkenntnisse so 1:1 auf komplexe Organismen wie den von
Mensch und nicht für spezielle Tierversuchsanordnungen gezüchteten Tieren
anzuwenden sind, scheint auf Grund des langsam beginnenden Paradigmenwechsel
betreffend Langzeitverabreichung von Antioxidantien und deren
positiven Effekten (EU.L.E.N-Spiegel, 9.Jahrgang, Nr.5-6, S.23-28),
in einem anderen Licht. Möglicherweise beruht die Wirkung der Polyphenole
bei Dialysepatienten auf anderen Effekten, als nur der möglichen
Oxidationsprävention, was die Autoren am Schluss der Arbeit auch kurz
andeuten.
Anti-invasive
effects of curcuminoid compounds from Curcuma aromatica Salisb. On murine
colon 26-L5 carcinoma cells, P.Siripong, E. Nakamura, K Kanokmedhakul,
S.Ruchirawat, I.Saiki, J.Trad.Med., 19,209-215, 2002
Nach Analyse des Clorophormextraktes von 1,5kg gepulverter Rohdroge von
Curcuma aromatica isolierten die Autoren 4 Hauptbestandteile (CA-1, CA-2,
CA-3, CA-4), deren chemische Strukturen sich durch die Anordnung ihrer
Seitenketten unterscheiden. Anschließend wird der Einfluss dieser
unterschiedlichen Bestandteile auf Zellteilung, Invasivität, Migration von
murinen Colon 26-L5 Karzinomzellen geprüft. Am stärksten ausgeprägt finden
sich diese konzentrationsabhängigen Effekte bei CA-4. In zukünftigen
Versuchen sollen synthetisch erzeugte Curcuma Bestandteile durch Variation
der Seitenketten und deren Positionen auf Antitumoreigenschaften geprüft
werden, um daraus eventuell in weiterer Folge potente
Antikrebstherapeutika zu entwickeln.
Anmerkung:
Interessant ist, dass bei all diesen Versuchen nur sog. standardisierte
Tumorzelllinien und hier wiederum von Nagetieren zur Testung herangezogen
werden. In den zahllosen Publikationen, die sich mit dem Thema Onkologie
auf zellulärer Ebene befassen, finden sich keine Mitteilungen zu Testungen
von Substanzen mit möglicher „Antitumoraktivität“ an „wild type“
Tumorzellen, insbesondere humanen Ursprungs.
Unterschiedliche Spezies bedingt sehr oft unterschiedliches Verhalten und
Empfindlichkeit gegen potentiell zytostatische - oder migrationshemmende
Wirkung von Testsubstanzen.
Hinzu kommt, dass durch Langzeitpassagen der sog. standardisierten
Zelllinien Veränderungen am Phäno- und Genotyp der Zellen auftreten, die
wiederum eine mögliche Änderung der Suszeptilität gegen Testsubstanzen
nach sich zieht.
Positiv in vitro getestete Substanzen müssen nicht zwangsläufig ihre
Wirkung auch in vivo in komplexen heterogenen Organismen entfalten, wo
generell ein anderes Umgebungsmilieu (Interzellularsubstanz, sog.
Grundsubstanz) vorherrscht als in Kulturflacons.
Kontinua
Nachdem in der Ausgabe Nr.3 mit der Abhandlung des Paragraphen 17 aus dem
Shokanron/Shan-han-lun
die erste
Abteilung der Yang-Erkrankung im 1.Stadium, Yang-Exzess beendet
wurde, soll nun mit § 18 die 2.ABTEILUNG der YANG-ERKRANKUNG IM 1.STADIUM,
YANG-Exzess, fortgesetzt werden
§18
Originaltext
Yang-Erkrankung im 1.Stadium, Yang-Exzess, Schweregefühl im
Nackenbereich, Verspannung der Nacken-Schultermuskulatur, mit
eingeschränkter Beweglichkeit, Frösteln, keine Schweißsekretion. Die
Anwendung der Rezeptur Kakkon•to/Ge-gen-tang ist angezeigt.
Erläuterung:
Die Rezepturen Keishi•to/Gui-zhi-tang,
Keishi•ka•kakkon•to/Gui-zhi-jia-ge-gen-tang
beseitigen einen KI-Mangelzustand in den äußeren Körperschichten, während
Rezepturen wie Kakkon•to/Ge-gen-tang
oder Maoto/Ma-huang-tang einen KI-Füllezustand in den äußeren
Körperschichten auflösen.
Kopfschmerz und schmerzhafte Verspannung der Nackenmuskulatur
sind ein wesentliches Kennzeichen einer Yang-Erkrankung im 1.Stadium,
Yang-Exzess, wie im §1 dargelegt. Ein Ausbreiten der Verspannung nach
distal ist bereits ein Symptom, daß eine Veränderung des Zustandes in §1
charakterisiert. Aber sowohl Keishi•ka•kakkon•to/Gui-zhi-jia-ge-gen-tang
als auch Kakkon•to/Ge-gen-tang haben dieses Symptom der Verspannung der
Nacken- und Schultermuskulatur in ihrem Symptomenbild enthalten. Als
differentialdiagnostisches Kriterium wird nun ein weiteres Symptom
angegeben: Frösteln ohne Schweißsekretion.
Frösteln mit Schweißsekretion
ist ein Zeichen für einen
KI-Mangelzustand in den äußeren
Körperschichten,
daher Anwendung von Keishi•ka•kakkon•to/Gui-zhi-jia-ge-gen-tang.
Frösteln ohne Schweißsekretion
ist ein Zeichen für einen
KI-Füllezustand in den äußeren
Körperschichten,
die Anwendung von z.B. Kakkon•to/Ge-gen-tang
ist angezeigt.
Um
eine solche wichtige Unterscheidung treffen zu können, ist es nicht nur
angebracht, den Patienten zu befragen, ob er schwitze, sondern man sollte
auch die entsprechenden Körperregionen mit der Hand prüfen, ob sie trocken
oder feucht sind. In vielen Fällen ist dabei oft nur ein geringgradig
vermehrter Feuchtigkeitsgehalt an der Hautoberfläche feststellbar - für
die Wahl der entsprechenden Rezeptur aber entscheidend.
Klinik:
Sich in der Klinik nur auf dieses Symptom der vorhandenen
oder nicht vorhandenen Schweißsekretion oder Fieber, kein Fieber zur
Differenzierung der Anwendung von Keishi•ka•kakkon•to/Gui-zhi-jia-ge-gen-tang
und Kakkon•to/Ge-gen-tang zu verlassen, ist in vielen Fällen (z.B.
Sinusitis mit oder ohne Erhöhung der Körpertemperatur, Pleuritis mit oder
ohne Schweißsekretion, Neuralgien und/oder schmerzhafte Verspannung der
Schulter-muskulatur mit oder ohne Fieber, mit oder ohne Schweißsekretion)
nicht nur schwierig sondern unzureichend. Daher sollten immer auch andere
Parameter wie z.B. die Pulsqualität als differentialdiagnostisches
Kriterium herangezogen werden. Im Falle der Anwendung von Keishi•ka•kakkon•to/Gui-zhi-jia-ge-gen-tang
besteht ein P.superficialis vom Leere-Typ, bei Kakkon•to/Ge-gen-tang
findet sich ein P.superficialis vom mäßigem Fülle-Typ.
Im §18 handelt
es sich um eine Yang-Erkrankung im 1.Stadium, Yang-Exzess, ohne
Kopfschmerz mit Frösteln, und ein sich vom Nacken nach distal
ausbreitendes Gefühl der Schwere bzw.einer mehr oder weniger schmerzhaften
Verspannung der Nacken-Schultermuskulatur, die die gesamte
Wirbelsäulenmuskulatur bis zur Sakralregion miteinbeziehen kann. Oftmals
ist der Verlauf dieser Muskelschmerzen entlang des Blasen-, Dickdarm- bzw.
Dünndarmmeridians.
KAKKON•TO/Ge-gen-tang
Zusammensetzung:
|
1) Puerariae Radix |
5,2g |
|
2) Ephedrae Herba (ohne Knoten) |
3,9g |
|
3) Cinnamomi Cortex (äußerste Rindenschicht entfernt) |
2,7g |
|
4) Zinigiberis Rhizoma (geschnitten) |
3,9g |
|
5) Glycyrrhizae Radix (geröstet) |
2,7g |
|
6) Paeoniae Radix |
2,7g |
|
7) Zizyphi Fructus (zerkleinert) |
12Stk. |
Zubereitung:
Man nehme die 7 Drogen und 2 l Wasser, koche zuerst Ephedrae Herba und
Puerariae Radix um 400 ml ab, schöpfe den weißen Schaum ab, gib die
restlichen Drogen dazu und koche weiter auf 600 ml ab, seihe ab,
verabreiche 200 ml warm. Halte den Patienten warm, auf dass er leicht zu
schwitzen beginne. Für die dem jeweiligen klinischen Zustand angepasste
Dosierung und das Verabreichungsintervall gilt das im §6 Dargelegte.
Literatur:
SHOKANRON/SHANG HAN LUNG: Die klassische Grundlage von Kampo
(Fernöstliche traditionelle Phytotherapie). Mit einem Kommentar zur
klinischen Anwendung sowie ein Textvergleich von Dr. med. KEISETSU
OTSUKA, übersetzt von: Dr. med. Dr. med. vet. Bacowsky Helmut, im Druck.
Buchbesprechung
Ulrich Eberhard,
Leitfaden der Kampo-Medizin, Japanische Phytotherapie, Elsevier, Urban &
Fischer – Verlag, München 2003, ISBN3-437-56550-8
Im
Dezember 2003 kam nun das lang erwartete Werk von Dr.med. Ullrich Eberhard
(Madrid) im Verlag Elsevier, Urban & Fischer als Leitfaden zur
Kampo-Medizin heraus.
Das
Format
ist handlich, und eignet sich auf Grund seiner Größe sehr gut für den
klinischen Alltag, da passend für die Ärztekitteltasche. Die
Gliederung
des Stoffes ist übersichtlich, das
Register
erlaubt das rasche Auffinden praxisrelevanter Details. Die Ausarbeitung
einer Synthese der Zusammenhänge und regionalen Unterschieden von Kampo
und TCM, was traditionelle Diagnostik, Anwendung, Dosierung und
Zubereitung der Rezepturen, sowie zukünftige Probleme der
Rückstandanalytik betreffen, komplementieren diesen gelungenen Leitfaden.
Dr. Eberhard
hat in dieses Werk sehr viel Zeit und Mühe investiert und sein großes
theoretisches und nun bald 20 jähriges praktisches Wissen in dieses Buch
einfließen lassen, wodurch ein umfassendes Nachschlagwerk für den
traditionelle ostasiatische Phytotherapie praktizierenden Arzt entstanden
ist. Studenten und Ärzte, die sich mit dieser komplexen Materia medica
auseinanderzusetzen beginnen, bietet der Leitfaden einen verständlichen
Einstieg und zusätzliche Lernhilfe. Hilfestellung finden aber auch
Pharmazeuten und Apotheker, die zunehmend mit Fragen der Kunden zur
traditionellen asiatischen Pharmakopoe und den Verordnungen der
anwendenden Ärzte konfrontiert werden. Zu diesem Zweck enthält der
Leitfaden kurz gefasste Biographien der am häufigsten verwendeten
Einzeldrogen betreffend Inhaltsstoffen, Wirkungen aber auch möglicher
Nebenwirkungen.
Beurteilung:
geeignet für Einsteiger und fortgeschrittene Ärzte, Apotheker , Studenten,
aber auch an dieser Methode interessierte Laien.
Ankündigung:
Kampo- Medizin -
Chinesisch-japanische Phytotherapie -
ein Brückenschlag zwischen Ost und West
Referent: Dr. med. Ulrich Eberhard (Madrid)/Mitglied des
wissenschaftlichen Beirates der Eurokampo
Termine: Einführung: 06.- 07. März 2004
Teil 1: 19.- 20. Juni 2004
Bei TCM- Kenntnissen ist ein Einstieg oder Einzelbelegung von Kursteilen
möglich.
Seminarzeiten:
Samstag: 10.00 - 13.00 Uhr – Einführung
15.00 - 17.00 Uhr - Diagnostische Übungen
Sonntag: 10.00 - 13.00 Uhr – praktische Arbeit mit Rezepturen
Veranstaltungsort:
Fortbildungszentrum in der
Physiotherapieschule
Nagaistrasse 11 • 79713 Bad Säckingen
Die Komplettausbildung umfasst 8 Wochenenden (64 Stunden)
Gebühr
je
Seminarteil: € 250.-
Anmeldung:
Tel.: 07761- 57577 •
Fax: 07761- 57044
E-mail.:
med.fortbildung@akademie-bad-saeckingen.de,
www.akademie-bad-saeckingen.de
In
eigener Sache:
Besuch von 5
Medizinstudenten der Universität Keiyo/Tokyo/Japan im Sommer 2003. Vier
männliche Kommilitonen unter der Reiseleitung von cand. med. Korenaga
Yoko, die auch diese Reise geplant hatte, besuchten im August 2003 auf
Ihrer Studienreise auch Wien, um sich hier ein Bild über die Aktivitäten
der Eurokampo zu machen und sich nicht nur medizinisch weiterzubilden,
sondern auch die kulturellen und kulinarischen Angebote dieser Stadt für
sich zu entdecken.
Anstieg zum Leopoldsberg

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Bei der Exkursion
„Wiener Wald Anders“ konnten die Teilnehmer Pharmakognosie sowohl beim
etwas beschwerlichen Aufstieg über den „Nasenweg“ zum Gipfel des
Leopoldsberges, als auch im weiteren Verlauf der Wanderung nach
Sievering betreiben. An den Hängen des Leopoldsberges blühte
wildwachsender Saiko - Publeuri falcatum L., die in verschiedenen
Kamporezepturen Verwendung findet. An schattigen Plätzen im Wald fand
sich Atropa belladonna und deren Früchte in großer Menge, worauf sich
unter den Teilnehmern eine Diskussion über Wirkung und Toxikologie der
Inhaltstoffe entspann. Es folgten Demonstrationen von Standorten der
Mariendistel, Schafgarbe, Zinnkraut, violetter Taubnessel und die
Besprechung ihrer Verwendung und Wirkung.
Den Abschluß
dieses Tages bildete die kulinarische und bachantische Exploration
beim traditionellen Heurigen in Sievering mit philosophischer
Diskussion über Ethik, Arzt und Mensch Sein,
Pathologie und Tod. Zungendiagnostik Am nächsten Tag
trafen sich die Studenten im Labor des „Zentrum Nosomi“, um in praxi
die Herstellung homöopathischer Heilmittel zu üben, indem der Dekokt
einer Kamporezeptur nach den Angaben Hahnemanns potenziert wurde.
Für
Dosierungsangaben wird von der Redaktion keine Gewähr übernommen,
Meinungen der Autoren in den jeweiligen Artikeln müssen nicht der
Meinung der Redaktion entsprechen.
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