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Fallbeispiele aus der
täglichen Praxis von DDr. Helmut Bacowsky
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THEMA: Der akute fieberhafte Infekt
Die Rezeptur Kakkon-to/Ge-Gen-Tang
Formula puerariae (mehr Yang). Die Rezeptur besteht aus folgenden Drogen:
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1)
2)
3)
4)
5)
6)
7)
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Puerariae Radix
Zizyphi Fructus
Ephedrae Herba
Glcyrrhizae Radix
Cinnamomi Cortex
Paeoniae Radix
Zingiberis Rhiz
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4.0g
3.0g
3.0g
2.0g
2.0g
2.0g
2.0g
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Zielgruppe: Relativ kräftige Patienten mit akuten und chronischen
Entzündungsprozessen, Schmerzen: Erkältung, fiebrige Infekte, zu Beginn
Kältegefühl (Yin), dann Schüttelfrost mit Temperaturanstieg (Yang),
Kopfschmerz, schmerzhafte Verspannung der Nackenmuskulatur,
Schweißausbrüche, lokaler und generalisierter Schmerz, Schwellungen,
Gefühl der aufsteigenden Hitze Rötung der Haut mit Pruritus.
Indikation: Kopfschmerz, Schüttelfrost, akuter Fieberschub, schmerzhaft
verspannte Schulter-Nackenmuskulatur, Entzündungen: Konjunktivitis,
Keratitis, Tonsillitis, Otitis media, Mastitis, Lymphadenitis, Urtikaria,
Neuralgie.
Zustand des Patienten:
Yang-Erkrankung im 1. Stadium, Yang-Exzeß, Zeichen der KI/Chi-Fülle,
Schweißausbrüche.
Palpationsbefund des Abdomen:
a)
Bauchdeckenspannung 3/5
b)
druckschmerzhafter Punkt supraumbilikal
Vergleich:
1)
Eppi-ka-jutsu-to: Durst, trockener Mund, Verminderung der Harnmenge, ggr.
Verspannung der Nackenmuskulatur.
2)
Haino-Sankyu-to: eitrige Entzündungen, Abszesse, Empyem, Phlegmone
3)
Seijo-bofu-to: Blutandrang zum Kopf, der ganze Körper ist heiß, Durst,
Kopfschmerz, Entzündungen im Stadium der akuten Hyperämie.
Aus: Terasawa
Katsutoshi, Kampo: Praxis der traditionellen fernöstlichen Phytotherapie
anhand von klinischen Fallbeispielen, S.193, K. F. Haug - Verlag1994
(ISBN 3-7760-1359-1)
Fallbeispiel aus der täglichen Praxis:
1.
Fall: 4 Jahre alter Knabe, Anamnese: Vormittags noch am Spielplatz
herumgetobt, abends Fieber. Status: KT=39.0 Grad C, Haut trocken, heiß,
Rachen ggr. gerötet, Zunge blaßrosa, ggr. weiß-getüpfelter Belag eher
trocken, P. superficialis, magnus et frequens, Abdomen: weich, 3/5, keine
Resistenzen, Pulmo: VSA, inzipiente Rhinitis serosa, sonst unauffällige
Befunde. Dg.: St. febrilis, Therapie: Kakkon-to 10.0g/Dekokt mit 500ml
Wasser/50 Minuten Abkochung, Gabe ad libidum bis Körpertemperatur
physiologisch. Ergebnis: Patient ist am nächsten Tag fieberfrei.
Anmerkung: Nicht immer entspricht jedoch der Verlauf, dem oben
dargestellten Fall. Die besten Ergebnisse sind meist bei Kleinkindern zu
erzielen, die nicht vorbehandelt wurden. Oft wird man aber zu Patienten
gerufen, die bereits längere Zeit hoch fiebern. In diesem Falle kombiniere
ich die Rezeptur mit Mefeminsäure als Supp.. Erfahrungsgemäß sinkt zwar
daraufin die KT, aber nach einiger Zeit kommt es zum Fieberrezidiv, das
dann jedoch mit Kakkon-to oftmals gut in den Griff zu bekommen ist.
Trifft die Rezeptur das Symptombild des Patienten genau, habe ich auch
eine Besserung des Zustandes innerhalb von Stunden beobachten können.
Gelegentlich jedoch konnte auf Grund des Zustandes des Patienten auf eine
antibiotische Behandlung nicht verzichtet werden.
2.
Fall: Frau 28 J., 170/68kg, klagt seit heute morgern über
Abgeschlagenheit, Verspannung der Nackenmuskulatur, , schwerem Kopf,
Frösteln. Status: KT=37.3 Grad C, Zunge: blaßrosa, ggr. hauchdünner weißer
Belag, eher feucht, P.superficialis et frequens et magnus,
Gefäßwandspannung eher verminder, (Mangel an KI/Chi im Milz/Magen/Lungen/meridian),
Therapie: Kakkon-to 15.0 g / Dekokt mit 500ml Wasser/50 Minuten Abkochung,
Gabe auf 2 Portionen verteilt, Bettruhe. Besserung der Symptomatik
innerhalb 1 Tages, ohne Ausbildung des Vollbildes einer Grippe.
Dr. med.
Dr. med.vet. Helmut Bacowsky
Pharmakologische Wirkung
1)
Antipyretische Wirkung: Der Drogenextrakt u. Cinnamonaldehyd
vermindern deutlich die versuchs-bedingte gesteigerte innere
Körper-temperatur.
2)
Sedative und spasmolytische Wirkung: Geringe Dosen von Cinnamonaldehyd
wirken in Kaninchen dämpfend auf die Reflexe und es kommt zum Lidschluß.
Cinnamonaldehyd ist auch ein Antagonist von Acetylcholin und
Histamin.
3)
Wirkung auf periphere Blutgefäße: Bei Hunden kommt es nach Applikati
von Cinnamonaldehyd zu einer Steigerung der Blutflußrate in peripheren
Blutgefäßen. Die gleiche Wirkung findet sich auch in Kaninchen.
4)
Antithrombotische Wirkung: In Ratten hemmt Zimtrinde die
Blutkoagulation und fördert die Fibrinolyse. Der Dekokt verlängert beim
Menschen die Prothrombinzeit und wirkt der Thrombusbildung entgegen.
5)
Antiphlogistische Wirkung: Verabreichung des wässrigen Drogenauszuges an
Ratten verhindert das Auftreten einer experimentell bedingten Nephritis
sowie einer Immunkomplexglomerulonephritis. In Meerschweinchen
verhindert der wässrige Extrakt die Entstehung einer Typ I Allergie
nach Fremdeiweißapplikation und unterdrückt in Kaninchen die
ELSAS-Reaktion. Gleichzeitig kommt es zu einer Hemmung der Prostaglandin
E2-Synthese.
6)
Antibiotische Wirkung: Cinnamonaldehyd und o-Methoxycinnamonaldehyd wirken
hemmend auf das Wachstum verschiedener gram pos. u. neg. Keime.
7)
Wirkung auf die -Oxidation: Der Drogenextrakt vermindert den durch
Adrenalin und ACTH Gaben gesteigerten Fettsäureabbau.
8)
Diuretische Wirkung: Der wässrige Drogenauszug sowie niedere
Konzentrationen von Cinnamonaldehyd (10mg/kg) verstärken bei
kontinuierlicher oraler Anwendung die Diurese.
Traditionelle Anwendung
Wirkung: stärkt Yang, stärkt Milz und Magen, mindert Kälte, steigert die
Durchblutung Meridianwirkung: Le, Mi, Ni
Anwendung: Yin-Symptomatik, Yangschwäche, Kopfschmerz, Fieber,
Kollapsneigung
Geschmack und Eigenschaft: scharf, süß, warm (mehr Yang)
KAKKON /Ge-Gen
PUERARIAE RADIX (LEGUMINSAE)
Herkunft
Verwendet werden die getrockneten Wurzeln folgender Leguminosae:
a) Pueraria pseudohirsuta TANG et WANG (in China)
b)
P.lobata (WILLD.) OHWI (= P.thumbergiana BENTH.)
(in Japan)
c)
P.tonkiensis GAGN. (in Taiwan)
Inhaltsstoffe
Flavonoide: Daidzein, Daidzin, Puearin, Genistein, Fomononetin,
Puerarol, Kakkonin, etc. Weiters: Stärke, d-Mannitol, Miroestrol
Succinylsäure, Allantoin, etc.
Pharmakologische Wirkung
1)
Spasmolytische Wirkung: Daidzein entfaltet am exenterierten
Mäusedünndarm die gleiche spasmolytische Wirkung wie Papaverin. Die
fettlöslichen Anteile des Drogenauszuges besitzen gleiche
papaverinähnliche spasmolytische Wirkung am exenterierten Rattenuterus
und Meerschweinchendünndarm.
2)
Antipyretische Wirkung: Kontinuierliche Anwendung des Drogenextrakts
unterdrückt in Kaninchen durch Peptoninjektion erzeugtes Fieber.
3)
Wirkung auf die Peristaltik: Der Drogenextrakt enthält Substanzen mit
acetylcholinähnlicher Wirkung und Anteilen von MTF 101, die am
Mäusedarm peristaltiksteigernde Wirkung entfalten. Bei Ratten kommt es
zusätzlich zu einer gesteigerten Sekretion von Galle und
Magensaft.
4)
Wirkung auf die Blutzirkulation: In chinesischen Berichten wird P. Radix
eine blutdrucksenkende und antithrombotische Wirkung zugeschrieben. Im
Tierversuch zeigt sich bei Hunden nach Applikation des Drogenauszuges
eine deutliche Steigerung der vasalen Durchflußrate im Gehirn und in den
Herzkranzgefäßen mit gleichzeitiger Verbesserung der O2-Versorgung der
entsprechenden Gewebe. Alkoholische Drogenauszüge zeigen in der
klinischen Anwendung bei Angina pectoris gute Erfolge.
Traditionelle Anwendung
Wirkung: fördert die Blutzirkulation, mindert Hitze, führt zur
Abszeßreifung, stärkt die Muskulatur, steigert den Speichelfluß,
obstipierend
Meridianwirkung: Mi, Ma
Anwendung: fieberhafte Infekte, Kopfschmerz, steifer Hals, Durst,
Maserneffloreszenzen
Geschmack und Eigenschaft: süß, neutral, ausgleichend
Rezepturen
1) KAKKON-TO
3) SHOMA-KAKKON-TO
2)
KAKKON-TO-KA-SENKYU-SHINI
4)
JINSO-IN
Literatur:
Shoyaku-Handbuch,
Hrsg. Tsumura Juntendo 1985
KURZBERICHTE
aus Klinik und Praxis
Neurodermitis und Kampo
Hirosei Y., J.of Kampo Med., 46,4, 41-48, 1999: Berichtet wird über 80
Fälle von Neurodermitis unterschiedlicher Schweregrade der
Hautaffektationen und deren Behandlung mit der Rezeptur Kinka-tanpi-to,
die als Dekokt verabreicht wurde. Beobachtungszeitraum war ein Monat mit
folgendem Ergebnis: bei 28 Patienten war eine deutliche Verbesserung des
Hautzustandes sowie Minderung des pruritus zu verzeichnen, bei 27
Patienten kam es zu einer mäßigen Besserung, bei 20 zu keiner Besserung
der Symptomatik. Von 8 Patienten waren keine Daten zu erheben.
Idiopathische Thrombozytopenie (ITP)
Kashiwagi Y. J.of Kampo Med.,
46,4,63-72, 1999: Ein Fall von ITP (Thrombozytenzahl 10.000 bei
Therapiebeginn) bei einem 3 jährigem Patienten wird mit Kakketsu-fusho-to
behandelt. Nach 3Monaten stieg die Zahl der Thrombozyten auf Normwerte.
Anmerkung: eigene positive Erfahrung mit dieser Rezeptur bei einer ITP
eines 49 jährigen Mannes, die sich nach Malariaexposition und spezifischer
i.v. Therapie entwickelte, wurde gemacht.
Dr. Dr. Helmut Bacowsky
Aus der Forschung
Kamporezeptur Choto-san und Dementia
Shimada Y., Efficacy of Choto-san on vascular dementia, J. of Traditional
Medicines, 15, 14-21, 1998
In
einer Multi-center Studie mit 60 Patienten in einer well-controlled sowie
139 Patienten in einer Doppel-Blind-Studie fand sich in beiden Fällen eine
statistisch signifikante Verbesserung verschiedener Parameter in der
Verumgruppe (7.5g Choto-san wurde in Form eines Granulat 3x tägl. durch
12 Wochen verabreicht) gegenüber der Placebogruppe. In die Studie nicht
aufgenommen wurden Patienten, die an einer Dementia vom Alzheimer Typ
litten, sowie Patienten mit Demenz vergesellschaftet mit anderen schweren
Erkrankungen.
Luobuma-Extrakt verhindert Oxidation
Kim D.W., Yokozawa T., Hattori M., Kadota Sh., Namba T., Luobuma leaf
inhibits oxidation of low density lipoprotein in cholesterol fed rats, J.
of Traditional Medicines, 15, 40-44, 1998
An
6 männliche Wistar-Ratten wurden 2 standartisierte wässrige Extrakte (A
u. B) -einmal von den Blättern von Apocynum venetum (Luobuma), Extrakt A,
sowie einmal von den 2x gerösteten Blättern der selben Pflanze, Extrakt
B, - verfüttert, die Placebogruppe erhielt nur Wasser. Die Autoren
konnten feststellen, daß Extrakt B eine wesentlich stärkere Inhibition der
durch Cu++ induzierten Peroxidation bewirkt, als Extrakt A. Zusätzlich
kam es zu einem verminderten Serum-LDL und Serum-Cholesterin, woraus ein
möglicher antiarteriosklerotischer Effekt des Luobuma-Extraktes
diskutiert wird.
Oren-gedoku-to hemmt H. pylori
Kabir A.M.A., et al., Preventive action of Oren-gedoku-to/Huang-lian-jie-du-tang
on Helicobacter pylori infectious disease, J. of Traditional Medicines,
15, 70-77, 1998
In
einer in vitro und in vivo Studie (Tierversuch) konnte gezeigt werden, daß
die Kamporezeptur Oren-gedoku-to im Vergleich zu 4 anderen getesteten
Rezepturen die Anhaftung von H.pylori an die Magenschleimhaut verhindert
und auch das Wachstum in der Kultur unterbindet.
Anmerkung: Bliebe zu untersuchen , ob genannte Effekte auch beim Menschen
aufttreten.
Wirkung von Hochu-eki-to auf aktivierte T-Lymphozyten
Hong T. et al., Effects of Hochu-eki-to on cytotoxicity and cell surface
adhesion molecules of activated T lymphocytes, J. of Traditional
Medicines, 16, 58-65, 1999
In
dieser in vitro Studie konnte gezeigt werden, daß die Rezeptur
Hochu-eki-to dosisabhängig die zytotoxische Aktivität von aktivierten
humanen T-Lymphozyten gegen T98G Glioblastomzellen sowie Molt-4 T
Lymphoblastomzellen zu steigern vermag. Gleichzeitig damit kam es zu einer
selektiv vermehrten Expression von Zelloberflächenmolekülen und zwar
CD11a/LFA-1. Die Expression von CD4,CD8,CD25,HLA-DR wurde nicht
gesteigert. Zusätzlich fanden sich erhöhte IFN- sowie IL-4
Konzentrationen. Diese Effekte wurden nicht nur bei aktivierten
Lymphozyten von gesunden Probanden sondern auch bei aktivierten
Lymphozyten von Krebskranken gefunden. Nach Ansicht der Autoren sind für
diese Wirkungen Inhaltsstoffe von Astragalus Rad. und Atractylodis Lanc.
Rad. verantwortlich.
Anmerkung: Daß T-Lymphozyten durch verschiedenste Substanzen aktiviert
werden können, ist nicht neu. Daß diese aktivierten T-Lymphozyten
zytotoxische Aktivität gegen die in die Lymphozytenkultur eingebrachten
„fremden“ Krebszellen (Glioblastom-, Lymphoblastomzellen) entwickeln, ist
einsehbar. Derzeit stellt sich aber das Problem jeder
immunstimulatorischen Behandlung, daß selbst ein hoch aktiviertes
Immunsystem nicht zwangsläufig auch die in einem Organismus entstehenden
autologen Krebszellen erkennen muß.
Dr. Dr. Helmut Bacowsky
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